Winter in Schweden
Ekshärad (Värmland)
Vom 13.2. - 1.3.2003

Es ist nun mal Tatsache: Wir haben noch nie im Winter Urlaub gemacht. Daran gedacht haben wir oft, aber irgendwie war die Zeit immer für das Frühjahr, den Sommer oder den Herbst verplant. Nachdem wir einige Male in Skandinavien unseren Urlaub verbrachten, bekamen wir natürlich auch viele Infos über den norwegischen und schwedischen Winter in die Hände. Ja, das wär's: Schneegarantie, gemütliche Hütte mit Kamin, Schlittenhunde, Motorschlitten, Eisangeln und vieles mehr. Ausserdem haben wir den Norden durch die Mitternachtssonne nur wenige Abende im Dunkeln erlebt.
Ok, dass haben wir geklärt, aber wie planen wir diesen Urlaub? In Norddeutschland hat man wenig Möglichkeiten, auf Eis, tiefen Schnee mit harten Minusgraden, Mensch und Auto zu trainieren. Also planten wir vorsichtig: Keine Gewalttouren mit dem PKW. Da wir uns Värmland ausgesucht haben, passte die Fähre Kiel-Olso mit Wintersparpaket genau. In Ekshärad fanden wir dann das Hüttendorf Ekesberget. Von einer einsam gelegenen Hütte haben wir erst einmal Abstand genommen. Die Vorstellung, kurz vor der Abfahrt eingeschneit zu werden, ließ diese Planung nicht zu. Auf jeden Fall wollten wir eine Husky-Farm besuchen, mit einem Motorschlitten durch die verschneite Wildnis fahren und - ganz wichtig - unsere Langlaufskier ausprobieren. Wir hatten keinerlei Erfahrung mit diesen schmalen Brettern; das war aber nicht der Grund, weshalb es uns in die Wildnis zog!
Am 13. 2. ging es also los. Fährabfahrt in Kiel um 13.30 Uhr - eine schöne Zeit, zudem sind es nur rund 80 km von Hamburg. Wir legten am nächsten Tag um 9.30 Uhr in Oslo an. Dann waren es noch 210 km bis Ekshärad. Übrigens, wer ganz sicher gehen will: In der Nähe vom Fähranleger kann man sich Spikes-Reifen mieten.



Ein Bilderbuchdorf: Brunnberg. Hier ist fast alles in dänischer Hand. Mit viel Mühe wurden
die Häuser renoviert. Man findet das Dorf ca. 30km nordnordöstlich von Ekshärad.

Nachdem wir uns hier sehr schnell eingewöhnt hatten, wollten wir eine Motorschlittentour unternehmen. Dazu fuhren wir nach Branäs. Hier befindet sich eine größere Ski-Anlage mit entsprechenden "Nebenwirkungen". Nachdem wir mit der Seilbahn in fünf Minuten den Branäsberg hochgefahren waren, wurde es bedeutend ruhiger. Und nicht nur das; hatten wir noch im Tal schneidigen Wind und minus 12 Grad, so erlebten wir hier oben unser Wunder: Drei Grad plus, windstill und eine überragende Fernsicht. Wir blickten in die Wildnis der "Big Four". Das sind Wolf, Luchs, Bär und Vielfraß, die hier am häufigsten vorkommen sollen.
Nun ja, wir haben uns zu um 13 Uhr mit Lillen, unserem Guide, verabredet. Etwas unterhalb der Bergspitze auf der anderen Seite sahen wir ein größeres blau-weiß gestreiftes Zelt. Hier parken die Schnee-Scooter. Auf die Minute genau erschien Lillen. Auffällig an ihm war seine lederne Mütze; ein Erbstück seines Großvaters. "Besseres gibt es nicht," erklärte er uns auf englisch. Wir haben dann auch nicht viel Zeit verloren und haben zwei Scooter fertig gemacht. Die Einweisung dauerte nicht mal 20 Sekunden: "Da Gas, da Bremse, keine Kupplung, hier Notstopp", erklärte er uns auf schwedisch-ruhige Art. Zum Glück, dachten wir, laufen hier keine Skiläufer vor unsere Kufen. Nach ein bis zwei Minuten stellten wir fest: Alles halb so schlimm. Lillen fuhr anfangs mäßiges Tempo, steigerte es dann aber. Nächste Feststellung: Es macht Riesenspaß!!

Unsere nächste Tagestour ging nach Höljes. Von Ekshärad sind wir die "62" fast bis zur norwegischen Grenze gefahren. Hier liegt dieser Ort mit dem gleichnamigen See. Es ist ein Stausee, dem der Klarälven "entspringt". In Norwegen heißt dieser Fluß Trysilelva.



Eine Husky-Farm zu besuchen war unser nächstes Ziel. Wir fanden diese Farm 50km südlich von Ekshärad bei Sunnemo. Ins Leben gerufen wurde sie von Simone und Wolfgang aus Deutschland vor neun Jahren. Wir haben eine kleine Tour mit dem Hundeschlitten unternommen und haben danach einen Spaziergang mit den Huskies gemacht. Wolfgang hat uns auf dieser Tour über die vielen Spuren im Schnee aufgeklärt: Von Wolfsspuren über eine Luchsjagd auf einen Hasen bis zum nächtlichen Ruheplatz eines Elches haben wir so einiges gesehen.

Die meisten Kilometer ausserhalb unseres Autos haben wir aber auf Skiern zurückgelegt. Entweder flott auf menschenleeren Pisten oder beschaulich gewandert, meist über zugefrorene Seen.

Das war unser erster Winterurlaub in Schweden. Nächstes Jahr werden wir wieder hier sein. Wahrscheinlich werden wir unsere Erlebnisse mit dem Eisangeln erweitern. Was wir auf jeden Fall wieder tun werden ist: Relaxen und die Seele richtig baumeln lassen.